Pura Vida

Nach den ersten zwei Tagen in San Jose besorgten wir uns ein Mietauto für die kommenden 5 Wochen und fuhren damit in den Norden Costa Ricas an die Grenze zu Nicaragua. Wir hatten gelesen, dass dort mit La Cruz der beste Kitesurfspot des Landes liege und wir freuten uns darauf vor der Heimreise noch einige Tage auf dem Wasser zu verbringen. Mit Oscar hatten wir einen herzlichen Gastgeber und ein gemütliches Airbnb in Strandnähe. Dass wir kaum auf der überdachten Terrasse unser Buch lesen oder Zmörgele konnten, ohne dass alles davon wehte, zeigte uns auf, dass der Wind hier wirklich ganz schön stark sein musste. In den vier Tagen mit bis zu sechzig Knoten meist zu stark für uns beide.  Am windärmsten Tag  wagten wir uns beide mit unserem kleinsten Schirm aufs Wasser und fühlten uns dennoch meist vom Kite beherrscht und nicht umgekehrt. Deshalb änderten wir unsere Pläne und genossen beispielsweise einen gemütlichen Nachmittag auf einer Restaurantterrasse in La Cruz mit Ausblick auf Bäume voller farbenfroher Vögel und Affen oder schlenderten einen Tag durch den Rincon de la Vieja Nationalpark und erfreuten uns an Costa Ricas Tierwelt. Besonders faszinierend fanden wir es einen Kampf zwischen einer kleinen Schlange und einer Eidechse, welche sich gegenseitig gebissen hatten zu beobachten. Beide dachten nicht daran den Hals des Gegners wieder loszulassen. Die doch etwas grössere Schlange ging am Ende als Siegerin hervor. (Für unsere liebe Person, welche Schlangen nicht sehen mag, wir haben kein Foto davon eingefügt!)

Nach den Tagen in La Cruz war es bereits Zeit Bürki am Flughafen in San Jose abzuholen. Damit wir möglichst keine Strasse zwei Mal befahren mussten, wählten wir für den Rückweg eine Route durchs Hinterland. An uns vorbei zogen unzählige Ananas-, Kaffee-, Kakao-, Tee-, Bananen- und Orangenplantagen. Im Gegensatz zu Mexiko fiel uns auf, wie auch in den scheinbar ärmeren Regionen des Landes, sorgsam darauf geachtet wird, den Müll einzusammeln und nicht einfach am Strassenrand liegen zu lassen. Ebenso scheint Costa Rica sich hohe Ziele gesteckt zu haben in Bezug auf erneuerbare Energien und den Schutz der Umwelt. Vielerorts trifft man Windräder, Wasserkraftwerke oder Solarzellen an. Soweit wir informiert wurden, möchten sie eines der ersten Länder sein, das Klimaneutral unterwegs ist. Zudem erzählten uns diverse Tico’s, wie die Costa Ricaner sich nennen, dass es kostenlose Bildung für alle gäbe und auch eine minimale Krankenkasse für alle kostenlos erhältlich sei, dies so wurde erwähnt sei möglich, da sie keine Armee mehr hätten und die Finanzen dafür in Bildung und Gesundheit stecken könnten. Was wir ähnlich empfinden wie in Mexiko sind die Lastwagenfahrer. Sie blockieren ebenso gerne die Strassen und befahren sie bergauf nebeneinander mit 20km/h. Auf gefühlt stundenlangen, kurvenreichen Strassenabschnitten bei einer Ausweichstelle kurz rausfahren und die lange Fahrzeugschlange kurz vorbei lassen, kommt irgendwie auch hier nicht in Frage. Interessant finden wir weiter, dass die Strassen sobald es über eine Brücke oder durch einen Tunnel geht nur noch eine Fahrbahn haben, wodurch relativ schnell ein grosser Rückstau entsteht. 

Was man in Costa Rica nicht übersehen kann, sind die zwei Wörter «Pura Vida». Uns wurde erklärt, dass es übersetzt «reines, einfaches Leben» heisst. Die Essenz des Begriffs liege jedoch viel tiefer. Er umfasse die Dankbarkeit, zu leben, das Leben zu genießen und den Fokus auf Negativitäten im Leben zu vermeiden. Einfach glücklich zu sein und sich auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Pura Vida kann man im Tico-Alltag dann auch praktisch für jeglichen Small-Talk stellvertretend einsetzen (wer Lust hat benutzt gerne auch leicht unterschiedliche Tonlagen bei den verschiedenen Bedeutungen): Guten Tag, wie geht’s? Pura Vida – Danke. Mir geht es gut. Pura Vida – Bitte. Pura Vida – Sorry, dass ich zu spät bin. Pura Vida – Kein Problem. Pura Vida – Danke.  Pura Vida – Auf Wiedersehen. Pura Vida – Dir auch einen schönen Tag. Pura Vida! 

Sobald wir Mäthu am Flughafen gefunden hatten, zog es uns nach La Fortuna in die Region des Arenal Vulkans. Dort hatten wir eine Kaffee- und Kakaotour bei Alan gebucht. Ein freundlicher und charmanter Tico. Wir waren überrascht, wie kurzweilig und informativ so eine dreistündige Tour durch sein Anbaugebiet und über die Gewinnung von Kaffee/Kakao sein konnte. Erstaunt hat uns, dass der beste Kakao und Kaffee, gar nicht in Costa Rica selber erhältlich ist, der wird leider ausnahmslos exportiert und der hiesige Kaffee schmeckt dann bloss noch so la la. Alan und einige andere Biobauern setzten sich nun dafür ein, dass auch viele Einheimische eine solche Tour besuchen können und lernen, was guten Kaffee/Kakao ausmacht und somit auch daran interessiert sind, die Qualitätsware teilweise im Land zu behalten. Am Ende nahmen wir vor allem mit, dass alle die Label wie Fair Trade, Max Havelaar und so weiter, zwar ok sind, aber am besten für die Bauern vor Ort sei bei Kaffee- oder Schokoladeneinkäufen darauf zu achten, dass die Bezeichnung «single origin» auf der Verpackung zu finden ist. Zum Abschluss der Tour kriegten wir von Alans Oma zum Kaffee einen deliziösen, süsslichen brotähnlichen Fladen namens Arepa gereicht. Es schmeckte uns so gut, dass wir die Dame fragten, ob wir ihr noch weitere Fladen für die Weiterreise abkaufen können. Wir hatten Glück und kriegten Proviant mit. Diese costaricanischen Arepas wollen wir unbedingt in der Schweiz auch selber zu backen versuchen. Am nächsten Tag standen wir früh auf, um möglichst noch ohne andere Personen in einem nahe gelegenen, heissen Fluss baden zu gehen. Einmal mehr wunderbare Natur-Hotsprings, welche da mitten durch den Dschungel fliessen. 

Weiter legten wir einen mehrtägigen Zwischenstopp am Strand von Jaco ein und fuhren anschliessend noch südlicher in den Corcovado Dschungel. Wir hatten uns eine dreitägige Wandertour mit Guide gebucht. Mit Keller Gonzales hatten wir einen humorvollen, interesseierten, offenen und passionierten Guide erwischt. Er war schon als kleiner Junge in diesem Gebiet aufgewachsen, sein Vater war damals Goldgräber in dieser Region gewesen und so kannte er die Gegend wie seine Westentasche. Zu jedem noch so kleinen Tier wusste Keller spannende Details zu erzählen.  Uns war oftmals ein Rätsel weshalb er wieder irgendwo mitten im Dickicht stehen blieb und es dauerte dann einige Sekunden, bis er das Fernrohr eingerichtet hatte und das Tierrätsel auch für unsere Augen ersichtlich wurde. Wir wissen nun beispielsweise, dass der Ameisenbär einen Duft versprüht, der dem von Marihuana sehr ähnlich ist. Und sobald man im Dschungel diesen Geruch eruiert, erhöhen sich somit die Chancen ein solches Lebewesen in der Nähe anzutreffen. Zudem fing Keller beispielsweise kurzerhand eine kleine männliche Eidechse und setzte sie neben eine weibliche Eidechse. Wunderschön wie das Männchen seinen braune Halsfalte aufblies und eine gelborange Hautpartie zum Vorschein kaum um das Weibchen zu beeindrucken. Übernachten konnten wir während diesen Tagen in der Ranger Station La Sirena, wo wir in Stockbetten mit Moskitonetzten schliefen, sogar duschen konnten und wunderbar verköstigt wurden. Lokales Essen in Costa Rica besteht meist aus Reis und Bohnen wie beispielsweise Gallo Pinto, Casada, Chifrijo, welches für unsere Geschmack oft relativ eintönig gewürzt ist. Zum Dessert dann noch eine Portion Arroz con leche (Milchreis) dazu. In der Ranger Station schafften sie es aber, alle die typischen Gerichte so richtig schmackhaft zuzubereiten und zudem gab es jeweils herrlich frisch gepresste Fruchtsäfte aus Maracuja, Wassermelone etc. dazu gereicht. Da wir täglich um die 7-8 Stunden in der Hitze herumwanderten, waren wir zu jeder Tageszeit stets hungrig und schaufelten so viel es ging auf unsere Teller. Der Marsch aus dem Dschungel am letzten Tag kostete uns einiges an Schweiss, da es noch deutlich heisser war als beim Start und wir einige Stunden an der Sonne am Strand entlang laufen mussten. Keller unser Guide hüpfte wie ein junges Reh voraus und wir waren dankbar, dass wir nicht, wie er, am nächsten Morgen um 6Uhr wieder mit der nächsten Touristengruppe reinlaufen mussten. 

Weiter ging es nach Quepos wo wir ausgiebig duschten, die Kleider, Schuhe, Regenjacken in den Waschsalon brachten und uns für den strengen Geruch entschuldigten. Anschliessend liessen Mäthu und Simu sich im Friseursalon einen neuen Look verpassen. Bald schon war es Zeit wieder Abschied zu nehmen und dem Bürki von unserem Gepäck mit nach Hause zu geben. Danke tusig für dein Schleppen, lieber Sherpa Nummer 2.

Am nächsten Morgen machten wir zwei verbleibenden uns auf, den Vulkan Irazu zu erkunden. Von diesem so erzählte man uns könne man bei schönem Wetter gleichzeitig beide Ozeane sehen. Die Spitze des Vulkans war in Nebel gehüllt ,was jedoch auch schön aussah uns aber die Aussicht auf die Ozeane nahm. Wie wir später im Hotel erfuhren, kann diese Aussicht nur ca. drei Tage im Jahr genossen werden. Im Anschluss zog es uns nochmals Richtung Corcovado, aber noch weiter in den Süden direkt an die Grenze zu Panama. Ein kleiner verschlafener Ort namens Pavones stand schon einige Jahre bei Simu auf der Bucket List. Er soll die längste nach links verlaufende Warmwasserwelle der Welt haben. Im einzigen Hostel voller zerowaste, veganen, we love each other the way we are, YOLO, Yogamenschen, Aussteigern und Surfern quartierten wir uns für vier Tage ein und warteten auf die Wellen. Zu Beginn sah es trotz der guten Vorhersage schlecht aus und die Laune sank teilweise in den Keller als wir erfuhren, dass wir nicht einmal das Reststück unseres Käsesandwiches, welches wir später essen wollten, ins vegane Hostel reinnehmen dürfen, da dieses Milchprodukte enthalte. Kurzerhand entbrannte eine Diskussion über Zero(food)waste, Veganismus usw. Wir versprachen uns in den nächsten Tagen besser anzupassen. Am dritten Tag wurden wir doch noch belohnt und Simu konnte rauspaddeln und dann ganz lange nach links surfen, bevor er erneut wieder lange paddeln musst. Noemi versuchte fleissig die Drohne zu fliegen und Simu auf der Welle einzufangen, beobachtet die Pelikane oder las am Strand. 

Finally verschlug es uns an die Karibikseite Costa Ricas, wo sich die bekannten Orte Limon, Cahuita, Puerto Vjejo und Manzanillo befinden. Uns hat’s dort gefallen, doch auch da gab es weiterhin viel Reis und Bohnen, gemütliche Surfercafé’s, Beachlife und Pura Vida. Spontan besuchten wir noch eine Aufzuchtstation für grüne Ara’s welche vom Aussterben bedroht sind. Es soll nur noch ca. 1000 Stück weltweit geben und 300 davon leben in Costa Rica. In der «Station» leben die Vögel im Dschungel und fliegen frei herum, die Ranger helfen ihnen ihre dringend benötigten Nester zu bauen. Dies da die Bergmandelbäume, welche die grünen Aras brauchen um ihre Nester in deren Stamm zu bauen, ebenso vom Aussterben bedroht sind und die Vögel somit keine Nistplätze mehr finden und sich ergo nicht mehr reproduzieren. Deshalb haben die Ranger vor einigen Jahren angefangen künstliche Nester in Bergmandelbäume reinzuhängen, damit sich die Aras dort fortpflanzen können, obwohl der Baum an und für sich noch zu dünn ist um von den Aras ausgehöhlt zu werden. Und siehe da es hat funktioniert, die Ara’s akzeptieren die künstlichen Nester und so steigt momentan die Zahl der grünen Aras wieder langsam an. 

Unsere letzten Reisetage verbringen wir nun noch in Tamarindo an der Westküste bevor wir am 20. Februar am Abend unser Flugzeug nach Zürich besteigen. Dies ist somit unser letzter Beitrag hier, danke fürs Mitlesen. Wir freuen uns wieder auf das Leben in der Schweiz, unsere Freunde und Familien und auf die eine oder andere kulinarische Köstlichkeit.  PURA VIDA.

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