Mexico Mainland

Mit der Suche nach einem Mechaniker, der den Zustand des Charre einschätzt, haben wir im letzten Beitrag geschlossen und mit dem Charre fangen wir auch gleich wieder an… Gestern morgen haben wir unseren Charre unter Tränen verabschiedet. Kurzentschlossen haben wir am gleichen Tag für 12:00 Uhr einen Flug nach Costa Rica gebucht und sitzen nun, physisch anwesend, in einem Hotel in San Jose und merken, dass wir beide noch Zeit brauchen, um auch mit dem Herzen hier anzukommen. Deshalb bitten wir um eine Portion Vorschussverständnis, falls der Beitrag nicht so unterhaltsam und eher emotional ausfällt… 

Nun aber nochmals zurück auf Feld 1: In Mazatlan fanden wir einen zuverlässigen Mechaniker, der uns bescheinigte, dass der Charre in einem sehr guten Zustand und eine gute Partie sei. Einzig die Batterie sei ein bisschen am Schwächeln, da hatten wir wohl einmal zu oft bei abgestelltem Motor den Kühlschrank eingesteckt gelassen. Ruck-Zuck liessen wir die Batterie auswechseln und konnten nun den Charre auch wieder getrost 2-3 Tage stehen lassen, ohne dass wir nach anderen Fahrzeugen für die Starthilfe Ausschau halten mussten. Den positiven Mechanikerbericht schickten wir den zukünftigen Charrebesitzern und nach vielen Detailfragen war der Charre mündlich per Facetime verkauft. 

Mazatlan als Stadt selber war uns zu gross nach den eher gemütlichen kleinen Nestern in der Baja California. Der Verkehr auf dem Festland forderte allzeit unserer beider voller Konzentration und der häufige Einsatz der Hupe, sowie der Fahrstil übertreffen unser südliches Schweizer Nachbarland um Welten. Oftmals wird eine einfache Strasse mit je einer Fahrbahn in beide Richtungen auch zweispurig benutzt und man geht davon aus, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer mitspuren. Was uns in Mazatlan aber ungemein gefiel waren der ruhig gelegene Camping am Meer sowie die farbenfroher Häuser. 

Nach 3 Tagen in der Grossstadt fuhren über enggewundene Strassen mit unzähligen Schlaglöchern und Topes (Bumps) nach Sayulita, eine kleine Hippie-Surferstadt im Bundesstaat Nayarit. In diesem Ort fühlten wir uns sogleich heimisch und liessen es uns bei Tacos, Margaritas und Beach Life gutgehen.  Tagsüber ging Simu surfen und Noemi las viel und beobachtete die Iguanas (grosse Eidechsen) oder andere Tiere. Simu machte eher mit den Wassertieren Bekanntschaft indem er zum Abschluss von seinem Surftag in einen Seeigel stand. Glücklicherweise gelang es uns die Stachelfragmente nach und nach heraus zu pulen. Am letzten Abend in Sayulita wollten wir zur Abwechslung einen alkoholfreien Tag einlegen und bestellten einen fancy Mocktail. Dabei wussten wir nicht, dass dieser mit Insekten dekoriert wurde und deswegen auch sauteuer war. Back to margaritas next time… 

Von Sayulita aus durchquerten wir den Bundesstaat Jalisco und hielten in der dortigen Stadt Tequila an. Wie der Name vermuten lässt, findet tatsächlich ein Grossteil der weltweiten Tequila-Produktion hier statt. Da wir beide Tequila nicht so mögen und kaum Wissen dazu haben, entschlossen wir uns eine Tequilatour zu buchen. Während dieser durften wir sogar selber Agave Pflanzen setzten und zuschauen wie diese geerntet werden. Simu stellte sich als so talentiert heraus, dass Sie ihn gerne gleich als «Jimador» eingestellt hätten. Imponiert hat uns, dass so ein Pflanzer, einzig mit seiner Hacke bewaffnet, im Schnitt 6000 Pflanzen pro Tag in den steinharten Boden pflanzt. Für uns Touristen hatten sie den Boden zuvor extra noch aufgelockert und doch war es gar nicht so einfach. Eher nachdenklich stimmte uns, dass dieser Job ab 7-jährig angetreten werden darf und oftmals bis 75jährig durchgearbeitet wird. Wir lernten auch, dass es unzählige verschiedene Agaven Arten gibt sich aber nur die Agave Azul für die Tequilagewinnung eignet. Am gleichen Tag fuhren wir weiter über Guadalajara in die wunderschöne Stadt Guanajuanto, welche als Venedig von Mexiko bezeichnet wird. Früher war diese Stadt in regelmässigen Abständen überflutet worden, bis die Bewohner im 19. Jahrhundert genug davon hatten und die Stadt mit einem Untergrund Kanalsystem ausstatteten. Da später aber noch ein grosser Staudamm in der Region erbaut worden war, wurden die Kanäle überflüssig und dienen heutzutage den Fussgängern und Autofahrern als willkommene Abkürzung. Guanajuato mit seinen ebenfalls farbenfrohen Häusern, dem grossen Markt, den alten Bauten aus der Kolonialzeit und den vielen gemütlichen Restaurants gefiel uns so gut, dass wir um die Mittagszeit immer wieder entschieden den Aufenthalt auf unserem Camping mit Ausblick über die Stadt um einen weiteren Tag zu verlängern. 

Irgendwann war es aber doch an der Zeit weiter zu fahren, da unsere Freundin Sarah uns am 23. Dezember in Oaxaca besuchte. In einem mehrtägigen Fahrmarathon durchquerten wir die Bundesstaaten Guanajuato, Querétaro, Mexiko City, Puebla und Oaxaca. Je näher wir an Mexiko City heran kamen, umso schwerer fiel uns das Atmen. Der Smog über dieser Stadt ist kaum zu fassen, quasi ein gelber Nebel, der die Stadt und den ganzen Staat verhüllt. Um der heftigen Luftverschmutzung entgegen zu wirken, ist es gesetzlich limitiert, wer mit seinem Nummernschild an welchem Wochentag fahren darf. Mit älteren Autos darf man täglich gar erst ab 11AM auf die Strasse. Wie uns vielfach gesagt wurde, ist damit aber das Problem nicht bei den Wurzeln gepackt, denn nun besitzen viele Mexikaner einfach mehrere Fahrzeuge, damit doch an jedem Wochentag gefahren werden kann. Ebenso schockiert hat uns der ganze Abfall in dieser Region. Stets waren wir beim Fahren auf der Hut, da es regelmässig vorkam, dass ganze Abfallsäcke, Getränkeflaschen, einfach jenster Müll während der Fahrt aus dem Fenster geflogen kam. Einige Flüsse erkennt man fast gar nicht mehr als solche, da so viel Plastik und Coca Cola Petflaschen auf ihnen schwimmen. Der Umgang mit Abfall scheint uns aber generell ein Problem in Mexiko seit wir auf dem Festland angekommen sind.

Ebenso erwischten wir im Staat Mexiko das erste Mal «üble» Polizisten, welche uns mitten auf der Autobahn anhielten und uns weismachen wollten, dass wir im 80er Bereich mit 130km/h gefahren seien. Dies obwohl uns während dieser Fahrt unzählige mexikanische Fahrzeuge mit deutlich höherer Geschwindigkeit überholt hatten und nicht angehalten worden waren. 4400.-Pesos ca. 220.- Schweizer Franken sollte uns der Spass kosten. Wir erklärten den beiden freundlichen Herren, dass wir gerne zahlen wollten, wenn sie uns den Beweis für die Geschwindigkeitsübertretung überbringen könnten. Der Beweis sei leider schon an ein System weitergeleitet und wenn wir nicht jetzt gleich bezahlen würden, wirke sich dies negativ auf unsere Ausreise aus. Wir entgegneten, dass wir den ganzen Tag Zeit hätten, um mit ihnen zu verhandeln und gerne mit auf den Posten fahren würden. Dann könnten wir die Szene gemeinsam im System nachschauen. Nach einem kurzen Blickwechsel verzogen sich die zwei hinter unseren Charre und wir konnten durchs Heckfenster beobachten wie sie miteinander diskutierten. Wie wenn nichts gewesen wäre, kamen sie nach vorne und wünschten uns eine gute Weiterfahrt. Leider erwischte es uns am nächsten Tag gleich nochmals auf der Autobahn, jedoch mit dem Unterscheid, dass diese Polizisten uns mit Gesten zu erkennen gaben, dass wir rückwärts über die Autobahnspuren zu ihnen zu fahren hätten. Dies gedachten wir zu unserer eigenen Sicherheit nicht im Traum zu tun und zudem hätten wir es gemacht, hätten wir ja gegen die Verkehrsregeln verstossen und dafür sicher eine saftige Busse kassiert. Da die Polizisten nicht über die Fahrbahn zu uns kommen konnten, beschlossen wir nach 5 Minuten Wartezeit unsere Fahrt weiter fortzusetzen und die beiden schauten uns nicht einmal mehr hinterher, da sie bereits den nächsten Gringo rausgewunken hatten. Dies waren unsere zwei einzigen schlechten Erfahrungen in den vielen Wochen Mexiko und wir haben uns im Nachhinein gesagt, dass wir beide erstaunt waren wir freundlich die Polizisten waren, obwohl sie ja offensichtlich was Schlechtes im Schilde geführt hatten. 

In Oaxaca angekommen, feierten wir ein frohes Wiedersehen mit Sarah, besuchten den gigantischen Arbol del Tule (Riesenbaum) und vergnügten uns an den vielen Essenständen. Besonders die Tortas (eine Art Sandwich), Hot-Dogs mit viel Deko sowie Marquesitas (eine Art gerollter Crepes oder Bräzeli mit diversen süssen und salzigen Füllungen) gehörten zu unseren Favoriten. Am nächsten Abend war noch »la Noche de Rabanos» (Radischen Nacht), welche uns an den Zibelemärit Zuhause erinnert hat, aber halt einfach alles mit Radieslischnitzereien. 

Über Weihnachten fuhren wir ans Meer und feierten mit Bernd und Sabrina bei schönen Sonnenuntergängen und in mehr oder weniger leckeren Restaurants, gäu Sarah 😉 Ebenso fand Simu seine zweites berufliches Standbein als Surflehrer von Sarah und Noemi. Mit Sarah an unserer Seite waren wir nun zweieinhalb Mexiko-Vegetarier. (Simu wagt sich zwischendurch an die exotisch anmutenden Fleischzubereitungen.) Als Vegetarier hatten wir immer wieder dieselben für uns amüsanten Gespräche. Wenn wir in eine Taqueria gingen und dort der Bedienung erklärt hatten, dass wir gerne Tacos sin Carne hätten, dann kriegten wir meist die Antwort kein Problem wir haben natürlich Tacos con Pollo (Hühnchen). Nein Pollo ist auch Fleisch. Bitte nur Gemüse oder Früchte in unsere Tacos. Aha, also Tacos con Mariscos (Meeresfrüchte). Wenn die Bedienung schlussendlich erfasst hatte, was wir uns wünschten, erklärte sie dies in der Küche und dort sah man dann die offensichtlichen Fragezeichen erneut: Also wirklich nur Tacos und Gemüse? Aso, waa stimmt bi öi nöd? 

Zu dritt fuhren wir nach San Cristobal de las casas in den Bergen von Chiapas. Eine deutlich ärmere Gegend, in welcher es aber von Naturschönheiten nur so wimmelt. Beispielsweise durften wir den gigantischen Wasserfall El Chiflon bewundern und Hierve el Agua ein vielbesuchtes Wasserbecken mit lustigen Kalkablagerungen. Unterwegs fuhren wir durch malerische Zuckerrohrfelder, auf welchen die Arbeiter in der prallen Sonne mit einfachstem Werkzeug schufteten. Immer wieder begegneten wir auch modernen Lastwagen gefüllt mit den Zuckerrohrstangen, aber ebenso Menschen, welche mit ihrem Esel oder Pferd als Transportmittel unterwegs waren. Wir stellten uns Europa vor 150 Jahren so ähnlich vor… San Cristobal ist uns gleich ans Herz gewachsen mit seinen kleinen Gassen, die Wände mit farbenfrohen Graffitis geschmückt und natürlich auch die sympathischen Bäckereien, wo wir uns mit einem Tablett ausgestattet leckere süsse Backwaren aussuchten. Und falls jemand von euch dort drüben auf der Suche nach einem alten VW Bus oder VW Käfer ist, die sieht man hier in allen Farben in den Städten und die scheinen noch ganz erschwinglich zu sein. 

Weiter führte uns die Reise nach Palenque einer Mayastadt im Dschungel. Unglaublich was diese Menschen vor so langer Zeit bereits alles erbaut hatten. Von dort ging es im Eilzug, ah nein Charre in den Budesstaat Quintana Roo, welcher vor allem aus den bekannten Touristenorten Tulum, Playa del Carmen und Cancun besteht. Diese waren für uns ein echter Kulturschock und wir waren dankbar, dass wir zuvor auch andere Teile von Mexiko und seinen Menschen erleben und kennenlernen durften. An einem Tag gerieten wir in einen grösseren Streit mit einem Campingwart, der uns den Abfallberg hinter seinen Haus am Strand als Campingplatz verkauft hatte und uns das Geld nach der Besichtigung nicht zurückerstatten wollte. Die Preise für Essen, WC-Benutzung, Taxi etc. waren horrend in dieser Gegend und die Dienst teilweise nicht besser als zuvor. Nichtsdestotrotz gelang es uns dank Sarahs Recherche einen wunderbaren Tag beim Schnorcheln mit Schildkröten im Nationalpark zu verbringen oder einen Tag am türkisblauen Wasser auf Cozumel Island zu entspannen. Ebenso gingen wir in den Cenotes «Choij Ha» schwimmen, welche noch nicht so lange her entdeckt worden waren und wo wir daher zur frühmorgendliche Stunde die einzigen Besucher waren.

Viel zu schnell waren die drei Wochen um und es wurde Zeit Sarah am Flughafen in Cancun zu verabschieden. Danach folgten herausfordernde Stunden mit dem Charreverkauf, da unser Käufer-Paar dieses und jenes fand, aus welchem Grund sie den Charre evtl. doch noch nicht kaufen wollten ohne ihn nochmals einem mittlerweile 4 Mechaniker vorzuführen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits angefangen in Cancun für einen Weiterflug nach Costa Rica, Cuba oder wohin es uns verschlagen sollte zu packen, als wir realisierten, dass wir evtl. den Charre für die verbleibenden Wochen doch behalten und damit in die USA nach Costa Rica oder sonst wohin fahren würden. Irgendwann wurde es uns zu bunt und wir nahmen unseren Mut zusammen und trafen uns noch ein letztes Mal zu viert für ein Bier. Dabei setzten dem Paar «die Pistole auf die Brust», was uns beiden so gar nicht liegt. Wir erklärten, entweder würden sie den Charre nun jetzt und hier kaufen oder wir würden eine andere Lösung finden, aber ohne sie beiden als Käufer. Und siehe da sie entscheiden zu unseren und wir sind der Meinung auch ein wenig zu ihren Gunsten 😉 und kauften sich den Van. Wir wünschen den beiden noch viele weitere Abenteuer mit unserem zuverlässigen Charre. 

Wenn wir jetzt im letzten Beitrag lesen, wie schwer es uns fiel den Charre für zwei Wochen zurückzulassen, versuchen wir gar nicht erst zu beschreiben, was wir jetzt empfinden. Besonders Noemi ist sichtlich erstaunt über ihre Gefühle, da sie doch Autos grundsätzlich gar nicht so gerne mag und der Meinung ist, dass sei bloss zusammengebasteltes Material. Nicht dieses Mal, wenn man so viel Arbeit reingesteckt hat und ein so gemütliches Zuhause hatte… Wir freuen uns aber von Stunde zu Stunde mehr darauf Costa Rica, welches von uns beiden schon lange ein Wunschreiseland ist, zu erkunden. Ebenso freuen wir uns, dass Bürki uns in einer Woche besuchen kommt und wir einige Wochen gemeinsam reisen. Also vor allem freuen wir uns auf Mäthu weil er, wie Sarah auch, ein bitzeli von unserem Übergepäck abbauen hilft 😛

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