Long time no write

Gespannt wie ein Pfeilbogen und mit einem mulmigen Gefühl überquerten wir Anfang November in Tecate die Grenze zu Mexiko. Man hört doch ganz schön viele Räubergeschichten zu diesem Land…

Pünktlich zur Türöffnung standen wir am Morgen als erste vor dem Zollgebäude und liefen sogleich einem freundlichen amerikanischen Beamten in die Arme. Er nahm sich unserer an und erklärte uns geduldig die ganze Prozedur auf der mexikanischen Seite. Da er die Grenze nicht übertreten durfte, überliess er uns seinem mexikanischen Arbeitskollegen, der ausser hello und goodbey kein Wort Englisch sprach. Und wir nicht wirklich viel mehr Spanisch. Trotzdem verlief der ganze Papierkram reibungslos und innert einer Stunde hatten wir alle nötigen Papiere für uns ausgefüllt, uns die Fotos seiner letztjährigen Familienferien in der Schweiz zu Gemüte geführt, unser Auto in Mexiko neu versichert und temporär importiert. 

Zuversichtlich fuhren wir auf der einwandfreien Strasse nach Ensegnada, um dort die erste Nacht auf einem wunderschönen Camping auf einer Klippe hoch über dem Meer zu verbringen. Leider bekam Simu die mexikanische Luft nicht so gut und er betrachtete mehrheitlich die Toilettenwände statt die schöne Aussicht. Zum Glück erholte sich sein Magen schnell wieder und am übernächsten Morgen konnte auch er herzhaft bei all den mexikanischen Leckereien, die an jeder Strassenecke verlockend auf uns warteten, zugreifen. 

Immer mutiger werdend, stellten wir unseren Charre mit dem Kajak und dem Surfboard auf dem Dach in kleinen Dörfern und Städten ab und erkundigten diese zuerst für 5-10 Minuten, dann auch länger… Auch die ersten Nächte waren noch geprägt von Vorsicht und Simus unfreiwilligen Wachdiensten ;-). Einmal dachten wir sogar es gelte ernst und Noemi wurde mitten in der Nacht aus dem Tiefschlaf gerissen, da beim Nachbarcamper Lärm, Taschenlampen und laute, spanische Stimmen zu hören waren. Die Schlüssel in der Hand waren wir bereit zum Davonbrausen, als wir realisierten, dass die Nachbarn einfach ihren Müll am Einsammeln und Entsorgen waren und anschliessend zu ihrer frühmorgendlichen Weiterreise aufbrachen. Wie uns im Vorfeld geraten worden war, achteten wir wie die Häftlimacher auf unser Geld, sei dies bei Einkäufen am Strassenrand, in Restaurants und vor allem bei den Tankstellen. Schliesslich wurde uns erzählt, dass öfter die Zapfsäule nicht auf Null gestellt werde oder diese gar falsch geeicht sei. Bis jetzt haben wir aber noch nirgends eine Person begegnet, von der wir uns übers Ohr gehauen gefühlt haben. Im Gegenteil, die einzigen unabsichtlichen Räuber waren wir, als wir ohne zu bezahlen ein Restaurant verliessen und uns der mexikanische Inhaber scheu hinterherlief und sich entschuldigend nachfragte, ob es wohl sein könnte, dass die Señores vergessen hätten ihre Zeche zu bezahlen.

Wir erleben Mexiko und seine Menschen bis jetzt als fröhlich, offenherzig, hilfsbereit und Musikliebend. Unzählige schöne Strände, Kakteenwälder, Steppen oder auch grüne Urwälder begleiteten uns auf der Fahrt durch die Baja California.  In La Paz gönnten wir uns eine private Schnorchel Tour mit Walhaien. Was für gigantische, anmutige Wesen. Das Schnorcheln mit ihnen erfüllte uns mit Respekt und Demut. Ebenso durften wir mit Seelöwen schnorcheln und dabei die farbige Unterwasserwelt in Cabo Pulmo bestaunen. Simu gönnte sich gar einen Refresher im Tauchen und ging für zwei Tauchgänge mit einem Tauchboot mit. Auch lernten wir wiederum andere Reisende wie Bernd und Sabrina oder Mark kennen, welche wir in unser Herz schlossen und mit ihnen immer wieder die eine oder andere gemeinsame Nacht an einem Strand verbrachten. Besonders Mark bleibt uns mit seiner allabendlichen gute Laune Musik und seinen Tänzen dazu in bester Erinnerung. 

Endlich durfte auch unsere Kitesurfausrüstung wieder einmal aus den Tiefen des Charre an die frische Luft in Los Barriles steigen. Ein Traumspot mit wenig anderen Kitesurfern und herrlich warmem Wasser. Der Neopren bei Noemi ist nur Quallen- und Prallschutz 😉 Um diese Jahreszeit sucht auch der eine oder andere stärkere Wind gepaart mit Regen die Küste Baja Californias heim, so dass wir einige Tage auf einem Camping Schutz suchten und die Kites wieder verstauten, da wir keinen Big Air Contest veranstalten wollten. Bevor der zweite Tropensturm eintraf, war es für uns an der Zeit, dem Charre temporär Tschüss zu sagen und ihn in seinen Hochsicherheitstrakt in San José del Cabo zu fahren. Schliesslich wartete Nate’s und Kau’i’s Hochzeit in Oahu auf uns. Schweren Herzens und zögernd liessen wir den Charre alleine in Mexiko zurück. Wir fühlten uns wie Eltern, die ihr Kind, das erste Mal auswärts schlafen lassen und sich fragen, ob es so alleine in der Fremde wohl zu recht kommen werde. Oder jedenfalls denken wir, dass es sich so ähnlich anfühlen könnte…

In Los Angeles hatten wir dank dem Zwischenstopp noch einmal die Möglichkeit Greg wieder zu sehen. Ebenso konnten wir die neue Registration für unseren Charre abholen, den Check von unserer alten Autoversicherung einlösen und vieles mehr. Greg zauberte herrliche selbstgemachte Zitronenravioli auf den Tisch und am nächsten Morgen gab es wieder den Gruber-Ride an den Flughafen. Dass es sich mit Thanksgiving um den reisefreudigsten Tag in den USA handelt, wurde uns erst auf dem Weg zum Flughafen so richtig bewusst, als Greg uns vorschlug den Rest zum Flughafen besser zu Fuss zu gehen. Da sich jedes menschliche Wesen in den USA zu besagter Stunde auf den Beinen oder ihn seinem Fahrzeug zu befinden schien auf dem Weg zu Freunden und Familie. 

In Hilo auf der Insel Hawai’i wurden wir von Nate und seinem einjährigen Sohn Keala abgeholt und in ihr Haus nach Mountain View chauffiert. Was für ein eindrückliches Haus, welches Nate und seine Familie als Home-Schoolingprojekt vor 20 Jahren mit den Eltern erbaut hatten. Am nächsten Tag wohnten wir dem Thanksgiving Gottesdienst bei und kochten anschliessend eine grosse Portion Älplermagronen und 2 Kilo Zopf für das gemeinsame Abendessen. Herzlich wurden wir von Nate, seinen Eltern, seinen 6 Geschwistern und deren Kindern in die Ohana (Familie) aufgenommen und durften uns den Bauch mit hawaiianischen Köstlichkeiten und Truthahn vollschlagen. Beispielsweise lernten wir Poi kennen quasi ein Kartoffelstock aus Tarowurzeln,  Ahi Poké aus Thunfisch, Lilikoi Pie aus Passionsfrüchten, Spam ein Reiswurstsandwich oder Avacodos in der Grösse von Honigmelonen. 

Auch die darauffolgenden Tage verbrachten wir meist innerhalb der grossen Ohana und unternahmen gemeinsame Ausflüge zum Klippenspringen an den South Point, in die Stadt Kailua-Kona, an herrlich weisse oder schwarze Strände, zu Wasserfällen oder in den Volcano Nationalpark. Ebenso begegneten wir wiederum den grossen Honu’s (Schildkröten), welche wir schon beim letzten Besuch auf Hawai’i gerne ausgiebig beobachtet hatten. 

Nach einer Woche ging es weiter auf die Insel Oahu wo die Hochzeit stattfand. Simu griff einmal mehr in die Werkzeugkiste und half mit hawai’ianische Holzspiele wie Portugese horsshoe und corn hole für die Bespassung während der Feier herzustellen, während Noemi Keala hütete und bei der Blumendeko und der Schilderprägung mithalf. Eine neue Erfahrung war für uns auch das Rehersal inkl. Dinner, bei welchem sich alle Bridesmaids und Groomsmen, zu welchen auch Simu zählte, vorgängig in der Kirche einfinden und den Ablauf der Hochzeit einüben bis es sitzt. Am nächsten Tag bestiegen wir gemeinsam mit einigen von Nates Geschwistern den Coco Head, ein kleiner Berg bei Honolulu, den man nur via alte, steile Eisenbahnschwellen erklimmen kann. Leider war der Sonnenaufgang oben nicht ganz so wie erhofft, einmal mehr zeigten sich die Inseln von der regnerischen Seite, aber im Vergleich zur Schweiz herrlich warmem Regen. 

Dann endlich war es soweit, der Hochzeitstag stand vor der Tür und unzählige aufgeregte Menschen schwirrten durch die Gegend. Kau’i gab eine wunderschöne Braut ab und Nate war ein nicht minder hübscher Bräutigam. Nach der Zeremonie in der Kirche ging es in einem klassischen Luxuspartybus nach Kualoa Ranch, wo das rauschende Fest stattfand und wir ein leckeres Abendessen serviert bekamen. Für uns ungewohnt schloss die Bar um 21h und das Fest war um 22h beendet. Dafür gab es viel Schönheitsschlaf für die Rückreise nach LA und San José de Cabos. Einmal mehr realisierten wir wie schön und nicht selbstverständlich es ist so gute Freunde am anderen Ende der Welt zu haben. Aber auch schmerzhaft sich wieder für eine unbestimmt lange Zeit zu verabschieden. Nate, Kau’i, Keala und Greg wir vermissen euch!

Ein frohes Wiedersehen feierten wir mit unserem Charre. Es fühlte sich heimelig und herrlich vertraut an, sich wieder ins selbstgebaute Bett zu kuscheln, am Morgen mit dem Bialetti Kaffee zu kochen, draussen die Zähne zu putzen usw. Mittlerweile befinden wir uns nach einem Ausgangsabend in der Baja Brewing Company gar schon auf der Cargo Fähre von La Paz nach Mazatlan auf dem mexikanischen Festland. Da die Passagierfähre kaputt war, sind wir last minute auf eine Cargo Fähre aufgesprungen und befanden uns mit lauter mexikanischen Truckern in einem kleinen Schlafraum in unbequemen Sesseln eingepfercht. Das Schlafen im eignen Fahrzeug war leider untersagt. Unser Charre war auf demselben Deck wie wir aber vorne, links und rechts bis auf 10cm zugeparkt. Die ganze Fahrzeit über liefen amerikanische Actionfilme auf Spanisch im Aufenthalts- und Schlafraum und sobald den ersten Mitreisenden die Augen zufielen erklang ein lautes Schnarch Konzert. Um 22h beschlossen wir, dass wir hier während der 18-stündigen Überfahrt kein Auge zukriegen werden und schlichen uns zu unserem Charre, welcher zum Glück hinten nicht so stark zugeparkt war, so dass wir in den Charre einsteigen und in unserem schaukelnden Bett nächtigen konnten. Am nächsten Morgen die umgekehrte Prozedur um zum Tacofrühstück zu gelangen. Wenig später entdeckten wir noch 2 Duschen und wollten uns auch dieses Erlebnis nicht entgehen lassen, doch als sich Simu noch einmal zum Charre stehlen wollte, um das Badetuch zu ergattern, wurde er vom Wachmann erwischt, zurückgepfiffen und ermahnt, dass dies höchst unerlaubt sei. Nun schätzten wir die unverhoffte Nacht im Bett des Charre noch um einiges mehr 😉 Pünktlich zur Mittagszeit lief die Fähre in Mazatlan ein und wir fuhren sogar ohne Parkschaden auf das mexikanische Festland.

Unser Plan ist es einen verlässlichen Mechaniker zu finden, der unseren Charren einem allgemeinen Check unterzieht, da wir sehr interessierte Käufer gefunden haben, diese aber verständlicherweise gerne einen Rapport zum Zustand hätten. Danach sind wir gespannt wie unsere Reise gen Süden weiter verläuft.

Euch allen Zuhause und in der weiten Welt wünschen wir «Mele Kalikimaka» und bis plötzlich…

P.S. Die Bilder folgen sobald es die Internetverbindung zulässt…

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