Long stories short… eh, long

Ja was soll man bloss tun, wenn man plötzlich so lange Ferien hat???Beispielsweise ein Kajak kaufen, zu eindrücklichen Gletschern wandern, einen platten Reifen wechseln, neue Freunde kennenlernen, sich um die Trinkwasserversorgung kümmern, Muscheln direkt ab den Felsen sammeln und anschliessend essen, Orkas beim Vorbeischwimmen zuschauen, vor einer malerischen Gletscherkulisse kitesurfen, einem Waldbrand davon fahren und ganz unverhofft Nordlichter bestaunen. Dies sind so einige Erlebnisse seit unserem letzten Beitrag… 

Ein Highlight davon waren die Tage mit unserem auf Craigslist erworbenen Kajak «Joe» in der Kachemak & Tutka Bay. In Homer bestiegen wir ein Wassertaxi und liessen uns für 3 Tage mit Proviant und Kajak in der besagten Bucht aussetzten. Im Nirgendwo fiel uns ein überhaupt einmal zu testen, ob unsere frisch gekaufte Vessel überhaupt noch schwimmt, beladen mit Zelt, Mätteli, Schlafsäcken, Essen für mehrere Tage und uns zwei drin. Und siehe da, knapp lagen wir noch über der Wasseroberfläche. Zum Glück hatte Simu am Vortag noch hartnäckig in den Kauf einer Spritzdecke insistiert. Ohne diese würden wir wohl nicht so glücklich an den mehrtägigen Ausflug zurück denken.  Zuerst ging es im Zick-Zack-Kurs und mit diversen Stopps (um zum Beispiel noch Sonnencreme aufzutragen, das Steuerruder frei zu legen oder trotz Sonnenschein die Regenhosen anzuziehen) langsam dem Ufer entlang. Uns war von unserer Homer-Bekanntschaft Dave gesagt worden die Bucht sei wie ein grosser ruhiger See und geeignet für Anfänger. Heute war das Meer für unser Empfinden rau mit White Caps, das Paddeln streng und wir nahmen dankbar den leichten Rückenwind als Unterstützung an. Die Zick-Zack-Linien wurde stetig ein bisschen weniger und als Motivator begegneten uns eine Orkamutter und ihr Junges, welche einige Zeit im Wasser spielten. 

Da wir einen Katadynfilter besitzen und uns in Homer erklärt worden war, dass unterwegs viele Bäche mit frischem Trinkwasser seien, nahmen wir pro Person je ½ Liter Wasser mit und hielten fleissig nach den Creeks Ausschau. Leider ist dies einer der trockensten Sommer, den Alaska je erlebt hat und ein Bach nach dem anderen war ausgetrocknet. Wir teilten uns unser Wasser für den Tag ein, stellten am Nachmittag unser Zelt auf und beschlossen mit dem leeren Kajak auf Wassersuche zu gehen. Gerade als wir lospaddeln wollten, trafen wir auf eine Familie, welche sich vor einigen Tagen in der Wildnis hatte aussetzten lassen und am nächsten Morgen an unserer Zeltstelle mit dem Wassertaxi abgeholt werden sollte. Sie meinten sie hätten noch übriges Trinkwasser und wir könnten 2 Gallons (ca. 8 Liter) von ihrem Wasser haben. Was waren wir froh, dass wir unsere Odyssee nach Trinkwasser nicht weiter fortsetzen mussten. Jetzt konnten wir die wunderschöne Natur, die Tiere und das Lagerleben gleich viel mehr geniessen. Frisch gestärkt paddelten wir am Abend noch zu einer schönen Cabin, in welcher wir Dave mit seiner Frau Molly und ihren Freunden Lynn und Kathryn aus Homer wussten. Gemütlich sassen wir bei Wein zusammen und wurden für den nächsten Abend gleich für ein Miesmuschelessen eingeladen. Diese wachsen hier wie Sand am Meer. Die Einheimischen sammeln die Muscheln sobald die Ebbe sie frei legt und steamen sie in einem Kochtopf mit Meersalzwasser. Zusammen mit einer Rotweinbuttersauce sind sie ein vorzügliches Dinner. Während diesem Abend wurden wir von den zwei Pensionären und ihren Frauen noch zum legendären Heilbutt-Fischen  und sobald die Saison eröffnet habe zur Elchjagd eingeladen. Wir sagten, dass wir grosses Interesse hätten, dass wir aber zuerst noch weiter nördlich nach Seward fahren wollten und dann zurückkommen würden. 

Während den Tagen in der Kachemak Bay waren entlang dem Sterling Highway, welcher unsere einzige Strassenverbindung nach Norden darstellte, wieder zahlreiche Waldbrände ausgebrochen. Da Regen in Alaska  seit Wochen Mangelware ist, waren die Brände, welche seit Juni am Schwelen sind mit den starken Winden der letzten Tage, wieder entfacht worden. Teilweise war die Strasse stundenweise geöffnet, dann wieder geschlossen. Wir verbrachten zwei Tage in der öffentlichen Bibliothek in Homer, da wir dort trotz dem Rauch einigermassen gut atmen konnten und das Wlan stark genug war um unsere bisherigen Fotos auf Google Drive hochzuladen. Am dritten Tag wagten wir uns durch die Feuer und waren glücklich als wir am anderen Ende heil ankamen. Da sich die Lage in den nächsten Tagen weiter intensivierte, beschlossen wir schweren Herzens, das Fischen sausen zu lassen und nicht mehr nach Homer zurück zu kehren. Schnell fuhren wir auf dem Glen Highway Richtung Glennallen und weiter über die Grenze nach Kanada  bis Whitehorse. 

Unterwegs auf einer alten dirt Road hörten wir plötzlich ein lautes «Pfff» und nach einem Blick in den seitlichen Rückspiegel wussten wir, dass wir uns unseren ersten platten Reifen eingefangen hatten. Reaktionsschnell fuhr Simu noch einige Meter rückwärts, wo wir gerade eine Ausweichstelle passiert hatten. Munter packten wir den Wagenheber aus und begannen mit dem Reifenwechsel. Doch an diesem Tag verfolgte uns ein gewisser Mister Murphy. Nicht genug, dass seit diesem Morgen unser Trinkwasserfilter von Katadyn nicht mehr funktionierte, auch der Wagenheber verbog sich unter dem Gewicht unseres «Charre» und war nicht mehr zu gebrauchen. Wir überlegten ob wir den Reifen freischaufeln konnten, aber der Boden war zu hart. Nun stellten wir uns auf eine längere Wartezeit ein, da es eine selten befahrene Strecke war, an deren dead End eine Geisterstadt aus der Goldrushzeit stand. Beim ersten weitentfernten Brummen sprang Noemi auf die Strasse als gäbe es kein Morgen und die Leute stoppten und halfen uns für die nächste Stunde mit ihrem Wagenheber aus. Fix war das Ersatzrad montiert und wir dankten ihnen für ihre Hilfe und Geduld. Nun hiess es nur noch «schnell» in die Zivilisation zurückfahren, um den kaputten Reifen flicken zu lassen. Wir hatten uns auf dem Hinweg gemerkt, dass bei Meile 15 ein Schild mit der Aufschrift «TIRE REPAIR» stand. Bis dahin galt es die Daumen zu drücken und zu hoffen, dass wir auf dieser alten Eisenbahnstrecke, welche scheinbar noch voller Nägel aus dieser Zeit war, kein zweites Loch einfangen würden. Fortuna löste Murphy ab und wir kamen heil bis zum Schild der Reparaturwerksatt. Was wir dort antrafen (siehe Foto mit Simu) liess uns darauf schliessen, dass hier schon seit Jahren keine Reifen mehr geflickt worden waren. Somit fuhren wir weiter bis zum einzigen Dorf an dieser Strasse und fragten vor Ort, wer uns wohl weiter helfen könnte. Nun war Murphy wieder am Drücker. Die eine Person war 200 Meilen weit weg bei einem Babytermin, die andere Person war verreist. Schlussendlich konnte uns die Köchin eines Hotels weiter helfen, indem sie uns riet im 20m2 grossen General Store nach Tire Plugs zu fragen. Dies sind Gummistücke, welche man von aussen mit einer Art Nadel in das Loch stopfen kann, danach ist der Reifen praktisch wie neu. Uns war dieses Verfahren nur vom Hörensagen bekannt, aber wir probierten es gerne aus. Besonders da es sehr budgetschonend war. Gesagt, getan, wir brauchten 4 solche Plugs um unser eher grosses Loch zu flicken. Nun fehlte bloss noch die Luft um den Reifen wieder fahrtüchtig zu kriegen. Auch da wurde fleissig für uns herumtelefoniert, bis ein Mann in einer Bar ausfindig gemacht werden konnte, welcher Zuhause einen Kompressor habe, welchen wir gerne benutzten dürften. Wir führten unseren Reifen durchs Dorf spazieren und als wir bei besagtem Mann ankamen und den Reifen mit Luft befüllen wollten, meldete sich Murphy ein letztes Mal für diesen Tag und die bisherige Reisezeit, der Generator des Dorfes fiel aus und wir hatten für einige Stunden keinen Strom somit auch keinen Kompressor. Ende gut, alles gut: der Reifen begleitet uns nun schon wieder weit über 1000 Meilen. Zuerst nach Skagway in Alaska und dann wieder weiter nach Kanada.

Skagway ist bisher unsere Lieblingsstadt: ob es am wunderbaren lokalen Essen liegt, an der eindrücklichen Tour durch ein Bordell aus der Goldrushzeit, am leckeren Fudge und Lachs, den schönen Häusern, dem alten Zug, welcher über den geschichtsträchtigen Whitepass Mountain fährt oder ganz simpel an den warmen öffentlichen Duschen im Hafen, wissen wir nicht genau… Nach Skagway zog es uns über den Cassiar Highway Richtung Prince Rupert, wo wir gerade auf der Fähre nach Port Hardy in Vancouver Island sitzen. 

Übrigens herzlichen Dank für eure Nachrichten, welche uns zwischendurch via Blog oder Iphone erreichen, wir freuen uns immer sehr, haben aber nicht immer genug Internet um zu antworten 🙂

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